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Hugo Distler
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Hugo Distler (* 24. Juni 1908 in NĂźrnberg; â 1. November 1942 in Berlin) war ein deutscher Komponist und evangelischer Kirchenmusiker. Er gilt als der bedeutendste Vertreter der Erneuerungsbewegung der evangelischen Kirchenmusik nach 1920.
Contents
⢠Leben
⢠Tod
⢠Werk
⢠Werkverzeichnis
⢠Vokalmusik
⢠Kammermusik
⢠Orgelwerke
⢠Nachlass
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Leben
Kindheit und Jugend
Hugo Distler wurde 1908 in Nßrnberg als unehelicher Sohn der Modistin Helene Distler und des Maschinenbauingenieurs August Louis Gotthilf Roth geboren. Der Vorname des Kindes geht zurßck auf Hugo Herz, den 1925 in die USA emigrierten Halbbruder von Hugos Mutter. 1912 verlieà Helene Distler ihren vierjährigen Sohn und wanderte mit ihrem späteren Mann, dem amerikanischen Spielwareneinkäufer Anthony Meter, in die USA aus.cite-ref-1[1]
Vom Moment der Trennung bis zu seinem elften Lebensjahr lebte das Kind unter der Obhut seiner GroĂeltern Kunigunda Herz, verwitwete Distler, und ihres zweiten Ehemannes, des aus Cadolzburg bei FĂźrth stammenden Viehhändlers Johann Michael Herz. Dieser betrieb in NĂźrnberg zwei Metzgereien. Auf den Rat von Hugos erster Lehrerin kauften die GroĂeltern ein Klavier fĂźr ihren Enkel und sorgten dafĂźr, dass er mit sieben Jahren seinen ersten Klavierunterricht bei Elisabeth Weidmann bekam. Später ermĂśglichten sie ihm den Besuch des Reform-Realgymnasiums in der Vorderen Landauergasse.
1919 tauchte Hugo Distlers Mutter wieder in NĂźrnberg auf, nach dem Tod ihres Mannes nun in Begleitung ihres in Amerika geborenen Sohnes Anthony. Sie lebte eine Zeitlang mit ihren beiden SĂśhnen zusammen. Hugo Distler hatte Sympathie fĂźr seinen stillen Halbbruder, litt jedoch unter den täglichen ZurĂźcksetzungen durch seine Mutter, die aus der Vorliebe fĂźr ihren jĂźngeren Sohn kein Hehl machte. 1923 trennte sie sich endgĂźltig von Hugo und zog mit Anthony (jetzt Anton genannt) in einen anderen Stadtteil NĂźrnbergs. Hugo Distler lebte von nun an wieder bei seinen inzwischen durch die Inflation verarmten GroĂeltern. Als Kunigunda Herz 1925 starb, gerieten GroĂvater und Enkel in bedrĂźckende Armut.
Aus Geldnot musste Hugo Distler sich nun in der Nßrnberger Privatmusikschule von Carl Dupont abmelden, bei dem er bis dahin Klavierunterricht erhalten hatte. Er bewarb sich beim städtischen Konservatorium in Nßrnberg um einen Stipendiumsplatz, wurde aber zweimal abgewiesen. Carl Dupont griff rettend ein und unterrichtete von da an seinen Schßler unentgeltlich.
Studium und erste Anstellung als Organist
Nach dem Abitur im FrĂźhjahr 1927 bewarb sich Hugo Distler am Leipziger Konservatorium und bestand die AufnahmeprĂźfung mit Auszeichnung. Er studierte u. a. bei Hermann Grabner (Komposition) und beim späteren Thomaskantor GĂźnther Ramin (Orgel). 1930 starb Hugo Distlers GroĂvater, der trotz eigener Armut das Musikstudium seines Enkels finanziert hatte. Distler musste sein Studium vorzeitig abbrechen und sich eine Arbeit suchen. Infolge der Weltwirtschaftskrise lag die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland 1930 bei 15,7 Prozent; 1931 kletterte sie auf 23,9 Prozent, was die Suche Hugo Distlers nach einem Arbeitsplatz erschwerte. GĂźnther Ramin vermittelte ihm schlieĂlich eine Organistenstelle an der LĂźbecker Jakobikirche, wo Distler am 1. Januar 1931 seinen Dienst antrat.
Inspiriert durch Axel Werner KĂźhl, Pastor an St. Jakobi und engagierter Streiter fĂźr die Anliegen der Liturgischen Bewegung, komponierte Distler 1931/32 seinen Jahrkreis op. 5, eine Sammlung von 52 kleinen geistlichen Chormusiken. Im Herbst 1931 vollendete er seine Deutsche Choralmesse, die der LĂźbecker Sing- und Spielkreis unter der Leitung von Bruno Grusnick am 4. Oktober 1931 zur UrauffĂźhrung brachte. 1932 folgten seine Choralpassion op. 7, seine Kleine Adventsmusik op. 4 und seine Orgelpartita Nun komm, der Heiden Heiland op. 8,1. In LĂźbeck entstand der grĂśĂte Teil seiner Geistlichen Chormusik op. 12. Dort lernte er seine spätere Frau Waltraut Thienhaus (1911â1998) kennen, die Schwester von Erich Thienhaus. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.
Während des Nationalsozialismus
Am 30. Januar 1933, dem Tag der âMachtergreifungâ, kĂźndigte Hugo Distler seine Stelle an St. Jakobi, ohne schon einen neuen Arbeitsvertrag zu haben. Später musste er seine KĂźndigung zurĂźckziehen, weil er die KĂźndigungsfrist nicht eingehalten hatte.
Im Oktober 1933 wurde Hugo Distler als Dozent an das neugegrĂźndete LĂźbecker Staatskonservatorium berufen. Seit Mai 1933 hatte er sich fĂźr die Errichtung eines eigenen Kirchenmusikalischen Instituts im Rahmen dieses Konservatoriums eingesetzt und war deshalb in Dauerkonflikt mit dem zuständigen Staatskommissar und ehemaligen Pfarrer der Deutschen Christen Ulrich Burgstaller geraten. Dieser Konflikt war Teil des Machtkampfes in LĂźbeck zwischen den âDeutschen Christenâ und der âBekennenden Kircheâ, wo auf beiden Seiten NSDAP-Mitglieder engagiert waren. âEs war in Wirklichkeit eine lithurgische, ästhetische und musikpraktische Auseinandersetzung Ăźber die Frage, welche Art von Kirchenmusik diesem Staat angemessen ist.âcite-ref-2[2]
Dennoch konnte Distler seine Ziele erreichen und am 28. Juli 1933 seinem Freund Konrad Ameln schreiben: âIch bleibe nun doch in LĂźbeck, hoffe aber die Spandauer Tätigkeit mit der hiesigen zu vereinigen: meine (bisher nebenamtlich dotierte) Organistenstelle an St. Jacobi wurde zum Hauptamt umgestaltet; auĂerdem wurde mir die Leitung des neugegrĂźndeten Kirchenmusikalischen Instituts an dem am 1. Oktober erĂśffneten LĂźbecker Staatskonservatoriums endgĂźltig Ăźbertragen.âcite-ref-3[3]
Noch 1933 verĂśffentlichte Distler seine Kantate An die Natur. Die UrauffĂźhrung anlässlich des ersten Musikfestes des âKampfbunds fĂźr deutsche Kulturâ fand in Bad Pyrmont am 16./17. August 1933 statt. Wegen dieser Komposition, fĂźr die Distler auch die Textautorenschaft fĂźr sich als âeinzigen schriftstellerischen Versuchâ in Anspruch nahm, kam es zu einer Auseinandersetzung mit seinem Freund Konrad Ameln, der dem Text der Kantate unter anderem pantheistische ZĂźge vorwirft. Distler antwortete am 20. Dezember 1935:
âIch bin mir indessen klar, dass Ihr Vorwurf von einer ganz bestimmten Seite aus gesehen irgendwie Berechtigung hat, nur stehe ich nicht auf dieser Seite. Sie werden mir z. B. dann nicht gestatten, etwa von einer âangebeteten Geliebtenâ zu sprechen. Das mĂźssen Sie schon als âGotteslästerungâ empfinden, viel mehr noch wenn ich, nun, sagen wir: vom âewigenâ Deutschland sprecheâ.cite-ref-4[4]
Im April 1934 unterbrach er die Arbeit an seinen geistlichen Kompositionen, darunter dem âTotentanzâ, um innerhalb von drei Wochen die Auftragsmusik zu einer weltlichen Thingspiel-Kantate Ewiges Deutschland Ăźber vaterländische Texte des Dichters Wolfram Brockmeier â Leiter der Lyrikabteilung der Reichsschrifttumskammer â zu schreiben, worĂźber er seinem Schwager Erich Thienhaus berichtete:
âIch muĂ [bis] Mitte Mai die Musik zu einem politischen Festakt schreiben [âŚ] Ich sitze und schwitze an der riesigen Arbeit: 20 Nummern in weniger als vier Wochen, darunter eine OuvertĂźre fĂźr groĂes Orchester [âŚ], ein Finale fĂźr Chor und Orchester [âŚ], 5 a cappella ChĂśre, 8 Tänze, 4 Melodramen und ein OrgelstĂźck.â
Textprobe aus Lied Nr. 31 der Kantate (Prieberg S. 1263):
âYork stand, ein brausender Glutstrom, gepreĂt in soldatische Zucht, Arndt, wie ein Eichbaum bebend in des Redestroms schĂźttelnder Wucht. Bismarck, Blitze entsendend unter gewittrigem Braun. Fichte, mit glĂźhender Zunge, wie läuterndes Feuer zu schaun. Moltke, Schill, Zieten, Scharnhorst, Jahn, Gneisenau, BlĂźcher und Stein. GroĂ ragten vor brennenden Himmeln unabsehbare Reihn. Aufscholl dann Kommando, das Volk sah mit Schauern: Auseinander rissen die stehenden Mauern ....â
Waltraut Distler berichtete ihrem Bruder Erich Thienhaus Ăźber die AuffĂźhrung am 25. Mai 1934 im LĂźbecker Stadttheater: âDie TheaterauffĂźhrung wurde neulich Ăźberall gut beurteilt, jedenfalls die Musik. Ăber die Regie ist das Publikum getrennter Meinung. Brockmeier macht keinen sympathischen Eindruck, er hat Ăźbrigens 100 RM!!! bekommen fĂźr sein Herkommen. Hugo nichts fĂźr alle seine Arbeit.âcite-ref-5[5]
Hugo Distler verÜffentlichte die Komposition nicht und versah sie mit keiner Opuszahl, sondern verwendete sie als Rohmaterial fßr spätere Arbeiten.cite-ref-6[6]
Im März 1933 fand im Berliner Dom die UrauffĂźhrung von Distlers Choralpassion op. 7 statt; im selben Jahr komponierte Distler seine Weihnachtsgeschichte op. 10 (UrauffĂźhrung im Dezember 1933 in KĂśln) und widmete sie dem âVolk, so im Finstern wandeltâ (so beginnt der groĂe Eingangschor der Weihnachtsgeschichte). Im April 1935 wurde Distlers Cembalokonzert op. 14 in Hamburg uraufgefĂźhrt und von einigen Kritikern gefeiert, von anderen als âkulturbolschewistischâ gebrandmarkt.
Im Dezember 1936 wurde von NS-Seite versucht, die AuffĂźhrung der Weihnachtsgeschichte in St. Jakobi zu verhindern. Die Gestapo trieb eine StraĂenversammlung lutherischer Christen auseinander und Distlers KompositionsschĂźler Jan Bender wurde verhaftet. Distler verlieĂ daraufhin LĂźbeck fluchtartig und trat zum 1. April 1937 eine Stelle als Lehrer fĂźr Musiktheorie, Formenlehre und Chorleitung an der Stuttgarter Hochschule fĂźr Musik an; er Ăźbernahm zusätzlich die Leitung des Hochschulchors und der Hochschulkantorei.
Distlers Hoffnung auf ein ungestĂśrtes Arbeiten in Stuttgart erfĂźllte sich nicht: die NS-Studentenschaft griff sein kirchenmusikalisches Schaffen an. Distler besuchte 1937 die Stuttgarter ErstauffĂźhrung von Carl Orffs Carmina Burana und fĂźhrte bald darauf mit der neugegrĂźndeten Esslinger Singakademie Monteverdis Orfeo in der Bearbeitung von Carl Orff auf. Ohne Genehmigung der NS-Kulturgemeinde sang dieser Chor unter Distlers Leitung wenig später Bachs Johannes-Passion in der Esslinger Stadtkirche. Dies hatte die AuflĂśsung der Singakademie zur Folge. (Distler beim Abschiedsabend mit den Sängern: âEs muss Ihnen das GlĂźck genĂźgen, diese Werke mitgesungen zu haben.â) Distler verĂśffentlichte von nun an nur noch âweltlicheâ Instrumental- und Chormusik; erst 1942 erschienen die beiden letzten groĂen Motetten aus seiner Geistlichen Chormusik op. 12.
Zwischen 1936 und 1938 komponierte Hugo Distler sein Neues Chorliederbuch op. 16, eine umfangreiche Sammlung von Chorsätzen fĂźr gemischten Chor a cappella zu den Themenkreisen KalendersprĂźche, Minnelieder, Bauernlieder und FrĂśhliche Lieder. Die stimmungsvollen und hoch expressiven Chorsätze zeugen von Distlers âunbändiger, vitaler Inspirationâ (Lemmermann), erreichten jedoch in damaliger Zeit keine Popularität (Heinz Grunow: Erinnerungen an Hugo Distler). Neben Liebesliedern, einem Lob auf die Musik und einer ausgelassenen Serenade nach einem Text von Abraham a Sancta Clara stehen Bauernlieder und die KalendersprĂźche. Sie sind Ausdruck der Auseinandersetzung des Menschen mit der Natur â âseines Lebens mit ihr, seiner Ăngste, Sorgen, Hoffnungen, seiner Freude und nicht zuletzt seiner Dankbarkeit fĂźr die lebenserhaltenden Gaben der Naturâ.cite-ref-7[7]
Im Herbst 1940 wurde Distler als Professor fĂźr Chorleitung, Tonsatz, Komposition und Orgelspiel an die Berliner Staatliche Hochschule fĂźr Musik berufen und Ăźbersiedelte mit seiner Familie nach Strausberg bei Berlin. Der Berliner Theaterregisseur JĂźrgen Fehling beauftragte Distler im Herbst 1940 mit der Komposition einer Schauspielmusik zu Ludwig Tiecks Ritter Blaubart. Die Premiere sollte Silvester 1940 am Berliner Schillertheater stattfinden. Fehling strebte darĂźber hinaus eine ständige Zusammenarbeit mit Distler an; dieser sollte als Nächstes die BĂźhnenmusiken zu Grabbes Hannibal und zu Shakespeares KĂśnig Lear schreiben. Heinrich George sollte in beiden Inszenierungen, wie schon im Blaubart, die Hauptrolle spielen. Nachdem die Proben zu Ritter Blaubart bereits begonnen hatten, wurde die Premiere in letzter Minute auf Januar verschoben und schlieĂlich aufgrund eines ZerwĂźrfnisses zwischen Fehling und dem Intendanten Heinrich George ganz abgesagt. Damit zerschlug sich Distlers langgehegte Hoffnung, âendlich einen Zugang zur BĂźhne und schlieĂlich zur Oper zu findenâ, wie er es in einem Brief an seine AngehĂśrigen in Leipzig formulierte.
1941 und 1942 arbeitete Hugo Distler mit groĂer Energie und Hingabe an seinem letzten groĂen, 1939 begonnenen Projekt, dem Friedensoratorium Die Weltalter, in dessen selbstverfasstem Text er Bilder aus der griechischen Mythologie vom Goldenen Zeitalter mit dem Kassandra-Mythos (nach Aischylosâ TragĂśdie Agamemnon) verknĂźpfte. Er fĂźgte seinem Text ein Fragment von Novalis bei, aus dem er einzelne Passagen direkt in seinen eigenen Oratorientext Ăźbernahm. Das Novalis-Fragment, das 1942 auch auf einem Flugblatt der WeiĂen Rose erschien, lautet:
âEs wird so lange Blut Ăźber Europa strĂśmen, bis die Nationen ihren fĂźrchterlichen Wahnsinn gewahr werden, der sie im Kreise herumtreibt, und von heiliger Musik getroffen und besänftigt zu ehemaligen Altären in bunter Vermischung treten, Werke des Friedens vornehmen und ein groĂes Friedensfest auf den rauchenden Walstätten mit heiĂen Tränen gefeiert wird. Nur die Religion kann Europa wieder aufwecken und das VĂślkerrecht sichern und die Christenheit mit neuer Herrlichkeit sichtbar auf Erden ihr altes, friedenstiftendes Amt installieren.âcite-ref-8[8]
Hugo Distler konnte noch vier Motetten aus den Weltaltern vollenden, brach aber die Arbeit an seinem Oratorium im September 1942 ab.
Im April 1942 Ăźbernahm Distler die Leitung des Berliner Staats- und Domchors und bezog eine Dienstwohnung in der Nähe des Doms in der BauhofstraĂe 7. Um diese Zeit geriet er ins Visier der SS: Wie schon 1933 in LĂźbeck (als er mit den Chorjungen von St. Jakobi geistliche Chorwerke aus seinem Jahrkreis probte) behinderte und sabotierte die HJ auch jetzt wieder planmäĂig seine kirchenmusikalische Arbeit, indem sie die Chorjungen des Domchors immer dann zum HJ-Dienst einbefahl, wenn Chorproben im Dom angesetzt waren. Hugo Distler suchte deswegen, zusammen mit einem Hochschulkollegen, den SS-OberfĂźhrer und HJ-Mann Karl Cerff in Berlin auf, der im Berliner âKaiserhofâ auf einer ganzen Etage residierte. Entsetzt und tief entmutigt berichtete Distler seinem Freund, dem Komponisten Alfred Kreutz (1898â1960) am 17. August 1942 aus Ahlbeck:
âInzwischen erlebe ich mit dem Berliner Staats- und Domchor Schwierigkeiten [âŚ] die HJ macht dauernd Scherereien wegen Freigabe der Knaben fĂźr den Dienst im Chor. Um dies zu klären, machte ich mir vergangenen Donnerstag die MĂźhe, eigens nach Bln. zu fahren, um mit unserem sehr geschickten stellvertretenden Hochschuldirektor Professor RĂźhlmann, zusammen den PG Cerf vom Hauptkulturamt der N.S.D.A.P. zu besuchen, den RĂźhlmann kannte. Ergebnis vĂśllig negativ; erschĂźtternder Eindruck; Cerf in meinem Alter, nach der Darstellung RĂźhlmanns einstmals Bankangestellter. Wir kamen Ăźberhaupt nicht zu Wort vor dem Hassgesang gegenĂźber der Kirche. Ich muĂ aber trotz allem sagen, dass ich Ăźber den Eindruck der PersĂśnlichkeit dieses Mannes noch weit erschĂźtterter gewesen bin denn Ăźber den (insgeheim erwarteten) negativen Erfolg. Ich gehe mit groĂem Grausen ins neue Semester. Man hat so viel organisatorische Arbeit, dass man zum Musizieren Ăźberhaupt nicht mehr kommt. Und schlieĂlich scheitern alle BemĂźhungen an solchen nicht zu beseitigenden Schwierigkeiten. Vielleicht bist in dem Punkt Du sehr zu beneiden.âcite-ref-9[9]
Tod
Immer wieder erhielt Hugo Distler Gestellungsbefehle. Aber auch der sechste, vom 14. Oktober 1942, konnte abgewendet werden. Hugo Distler wurde vom Militärdienst befreit und wusste dies vor seinem Selbstmord.cite-ref-10[10] Am 1. November 1942 fuhr er von Strausberg nach Berlin, um den Gottesdienst im Dom noch einmal musikalisch zu begleiten. Danach begab er sich zu seiner Dienstwohnung in der BauhofstraĂe 7. Dort setzte er seinem Leben ein Ende, indem er den Gasherd aufdrehte.cite-ref-11[11] Seine Frau fand ihn am späten Nachmittag tot unter dem Fenster, in der Hand ein kleines Foto seiner Familie. Auf dem Tisch lag ein Abschiedsbrief, in dem er sie um Verzeihung bat.cite-ref-12[12]
Motive fĂźr seinen Suizid kĂśnnten in seinem privaten und beruflichen Umfeld liegen. So hatte er in seiner Stuttgarter Zeit ein auĂereheliches Verhältnis, das er später in Berlin auflĂśste. Seine Frau verlieĂ ihn dennoch mitsamt den Kindern. Eine seiner OrgelschĂźlerinnen stĂźrzte sich von der Kanzel in St. Jacobi in den Tod und Distler selbst fand sie tot auf. Auch gab es weitere SelbsttĂśtungen in der Familie und unter Freunden.cite-ref-13[13] Der Komponist Paul HĂśffer schrieb Ăźber Distlers Tod am 3. November 1942 in sein Tagebuch:
âEs gibt deren viele, tägliche Selbstmorde sprechen Bände. Ein tragischer Fall, weil die angefangene Lebensarbeit eines hochbegabten auf Grund von Dingen abgebrochen wird, die er selbst nicht verschuldete. â Wie er sich wohl gequält hat, der arme Kerl, der noch auĂerdem hohe Verantwortung fĂźhlte und ein gläubiger Christ war. â Aber er fand unsere Zeit zu schrecklich, zu traurig, eine HĂślle, deren letzter Glut er sich nicht gewachsen fĂźhlte. Der arme Kerl.âcite-ref-14[14]
Seine Grabstätte befindet sich auf dem Sßdwestkirchhof Stahnsdorf im Block Reformation der Reformationskirchengemeinde, Feld 10, Gartenstelle 37. Sein Grabkreuz zitiert als Wahlspruch den Vers 16,33 aus dem Evangelium nach Johannes: Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.
Verhältnis zum Nationalsozialismus
Distler trat nach der Machtergreifung des NS-Regimes zum 1. Mai 1933 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 2.806.768),cite-ref-15[15]cite-ref-klee115-16-0[16] ebenso der bereits erwähnte Bruno Grusnick (Mitgliedsnummer 2.813.570).cite-ref-17[17] Seine Biografin Barbara Distler-Harth schrieb, der Parteieintritt sei auf Anraten seiner Vorgesetzten und allein aus taktischen GrĂźnden erfolgt.cite-ref-18[18] Eine Zeitzeugin schrieb: âIn LĂźbeck schon wurde er zur Partei gekeilt, nur aus einem ängstlichen âMuĂâ kam er dazu. In seiner groĂen Sensibilität hat er sich darum sehr gequält.âcite-ref-19[19] Dem steht entgegen, dass Distler auf einer LĂźbecker Postkarte bei einem Aufmarsch zum 1. Mai 1933 in vorderster Reihe zu sehen ist.cite-ref-20[20] AuĂerdem vertrat Distler in Vorträgen und Artikeln Positionen, die weitgehend deckungsgleich mit wichtigen Teilen der NS-Ideologie waren. So erschien am 5. Juni 1933 in den LĂźbecker Blättern folgendes Traktat von ihm:
âDas Kernproblem der groĂen, umwälzenden Geschehnisse unserer Tage besteht in der WiederauslĂśsung all der zum Teil verschĂźtteten, immanenten Kräfte deutschen Volkstums zum Wohl der Nation. Ständische Neugliederung, RĂźckfĂźhrung und Stärkung des Bauernstandes, bewusste Aufrechterhaltung der Selbständigkeit der geschichtlich gewordenen deutschen Teilstaaten, soweit ihre fernere Existenz eigenständige Berechtigung hat, Rassenpflege und gesunde Eugenik, politische Schulung der Jugend aus dem Geiste der groĂen Vergangenheit unseres Volkes, Ausmerzung alles volksfremden und volksfeindlichen Schrifttums, dagegen Vorkehrungen zur Erhaltung und Wiederbelebung alter Riten, Sitten und Gebräuche (Tracht, Heimatkunst, deutsches Sagen- und Märchengut, Volkslied und Volksspiel) - alle derartigen Anregungen und MaĂnahmen sind der Gegenwart und Zukunft unseres Volkes dienstbar zu machen. Wenn wir von der Notwendigkeit der Erneuerung deutschen Volkstums auch aus dem Geiste seiner Musik Ăźberzeugt sind und sie bewusst betreiben, so ist es in allererster Linie das deutsche Volkslied, das uns Richtung und Ziel unserer Bestrebungen weist, da sich in ihm am eigentlichsten und sinnfälligsten das Volkstum schĂśpferisch auslebe und zu allen Zeiten ausleben muss.âcite-ref-21[21]
Im Mai 1933 hielt Distler in der Volkshochschule LĂźbeck einen Vortrag Der neue Musikwille in der Deutschen vĂślkischen Erneuerungsbewegung.cite-ref-22[22] Auch in den Folgejahren versuchte er, sich dem System anzupassen. 1934 sagte er beispielsweise in einem Rundfunkvortrag Ăźber die Stellung und Aufgabe der jungen Musik in Deutschland: âDie neue Staatsidee muĂ prinzipiell jede Art kĂźnstlerischen Gestaltens ablehnen, die nicht dem Wollen und Empfinden â ganz einfach des Volksganzen [...] zugänglich wäreâ.cite-ref-23[23] Im selben Jahr vertonte Distler âals Ergebenheitsmusikâcite-ref-24[24] die Thingspiel-Kantate Ewiges Deutschland auf einen Text von Wolfram Brockmeier, die in der Kritik der gleichgeschalteten Presse positiv besprochen wurde,cite-ref-25[25] und ein Trutzlied Deutschland und Deutsch-Ăsterreich auf einen Text von Hermann Harder.cite-ref-26[26] FĂźr das NS-Freizeitprogramm Kraft durch Freudecite-ref-klee115-16-1[16] textete er unter dem Pseudonym Franz Bayer Drei Hymnen des deutschen Arbeiters und vertonte sie.cite-ref-27[27] Im Dezember 1935 schrieb Distler in einem Beitrag Vom Geiste der evangelischen Kirchenmusik: âWer von uns Jungen hätte nicht die GrĂśĂe der vaterländischen Ereignisse in den vergangenen Jahren miterlebt!âcite-ref-28[28]
1936 wurde Distlers Cembalokonzert von einigen Kritikern verrissen.cite-ref-29[29] Der VĂślkische Beobachter, die Parteizeitung der NSDAP, schrieb nach der UrauffĂźhrung am 29. April 1936 in Hamburg von der "ungewĂśhnlichen Stärke dieses jungen LĂźbecker Tonsetzers". Er mĂźsse âheute schon zu den verheiĂungsvollsten Begabungen unserer Instrumentalmusik gezählt werdenâ und habe âerstaunliches formales und technisches KĂśnnenâ.cite-ref-30[30]
Auch sein 1938 in Bonn uraufgefĂźhrtes weltliches Chorwerk Deutsche KalendersprĂźche wurde ein Erfolg und sollte in Kassel wiederholt werden. Distler charakterisierte das Werk folgendermaĂen: â... ein weltliches Chorwerk, ganz in der Linie dessen, was man heute will, ein Loblied auf das Bäuerliche Jahrâ.cite-ref-31[31]
Dem Beginn des Zweiten Weltkriegs (laut Berichten von Verwandten nach Kriegsende) begegnete Distler mit Unverständnis und Kritik, betonte aber gleichzeitig: âJedenfalls glaube ich an den reinsten, edelsten Willen unseres FĂźhrers und an die Unvergänglichkeit unseres Ăźber alles geliebten Vaterlandes. [...] ganz gewiĂ ist es unsere Pflicht, unsere Ehre zu verteidigen bis zum letzten Hauch, wie gestern Hitler sagteâ.cite-ref-32[32] 1940 komponierte er das Kriegslied fĂźr Männerchor Morgen marschieren wir in Feindesland und weitere Beiträge fĂźr das Chorliederbuch der Wehrmacht.cite-ref-33[33]
Distlers Haltung gegenĂźber einzelnen Vertretern des NS-Staates wurde zunehmend kritischer. Im August 1942 schrieb er beispielsweise in einem Brief an Alfred Kreutz Ăźber seine Erfahrung mit dem SS-OberfĂźhrer und HJ-Mann Karl Cerff das weiter oben Zitierte.cite-ref-briefcerf-34-0[34] In demselben Brief äuĂerte er sich pessimistisch Ăźber die Zukunft: âIm Ăźbrigen wissen wir freilich Ăźberhaupt nicht, wie die Menschheit nach dem grausamen Krieg aussehen wird â davon schlieĂlich wird alles abhängen. Wenn es so weitergeht wie bisher, dann zurĂźck in die Einsamkeit [...] Solang heiĂt es halt aushalten. Aber es ist dafĂźr gesorgt, daĂ einem dieses Aushalten so schwer gemacht wird wie mĂśglich.âcite-ref-briefcerf-34-1[34]
Nach Distlers Freitod am 1. November 1942 gab es in der gleichgeschalteten Presse positive Nachrufe, zum Beispiel in der Zeitschrift Der Musikerzieher: âDas deutsche Musikleben hat durch den plĂśtzlichen Tod des erst 34-jährigen Komponisten Hugo Distler einen schweren Verlust zu beklagenâ.cite-ref-35[35]
Die verschiedenen divergierenden Berichte, Wertungen, Erzählungen und Legenden, die zu Hugo Distler vorliegen, sind am Ende auch zu konfrontieren mit nachweisbaren Tatsachen: Distlers berufliche Karriere verlief ungebrochen bis hin zu seiner Professur in Berlin ab Herbst 1940. Er war Mitglied im âNS-Dozenten- und Altherrenbundâ und ab Dezember 1937 Fachschaftsleiter in der Reichsmusikkammer,cite-ref-36[36] deren Aufgabe es unter anderem war, missliebige Komponisten und Kompositionen auszugrenzen.
Werk
Distler ist vor allem als Komponist geistlicher und weltlicher Chormusik bekannt geworden. Zu seinen Chorwerken zählen:
⢠1932: Choralpassion op. 7 fßr fßnfstimmigen gemischten Chor und zwei Vorsänger
⢠1933: Der Jahrkreis, 52 aus den Erfahrungen und Anforderungen der kirchenmusikalischen Praxis entstandene zwei- und dreistimmige Chormusiken
⢠1933: Die Weihnachtsgeschichte op. 10 fßr gemischten Chor und vier Vorsänger
⢠1935â1941: Geistliche Chormusik op. 12, eine Sammlung von neun Motetten fĂźr das Kirchenjahr, zu der als Nr. 2 auch der Totentanz zählt, der dem Totensonntag zugeordnet ist
⢠1938/39: MÜrike-Chorliederbuch
DarĂźber hinaus komponierte Distler Orgelmusik wie Partiten, Choralbearbeitungen und eine Sonate, zwei Cembalokonzerte (1930/32 und 1935) und Kammermusik. Er verfasste eine Funktionelle Harmonielehre (1940).
Distler ist der bedeutendste Vertreter der Erneuerungsbewegung der evangelischen Kirchenmusik nach 1920. Ihre Ziele und Ideale kommen in seiner Musik klar zum Ausdruck, wobei trotz beabsichtigter leichter AusfĂźhrbarkeit immer ein kĂźnstlerisch hohes Niveau gewahrt bleibt. Seine Vokalkompositionen erwachsen aus sanglichen, am menschlichen Atem orientierten Melodien, deren tonales Material oft aus modalen Tonleitern oder der Pentatonik entnommen ist.
Die abwechslungsreiche Rhythmik lehnt sich an Vorbilder aus Renaissance und Barock an, gestattet sich aber deutlich grĂśĂere Freiheiten, die sich in Taktwechseln und häufigen Schwerpunktverschiebungen zeigen. Aus der Kombination metrisch und rhythmisch gegensätzlicher Einzelstimmen ergibt sich oft ein lebendiges polyphones und polyrhythmisches Geflecht.
Imitatorische Satztypen in Anlehnung an barocke Vorbilder sind häufig, wobei Distler enge Lagen und Stimmkreuzungen bevorzugt und so Klangwirkungen von sensibler Schlichtheit bis zu dramatischer Ausdruckskraft erreicht. Dabei ergeben sich neuartige Zusammenklänge, die stellenweise nur noch aus der horizontalen Stimmfßhrung erklärbar, im Detail aber nicht mehr funktional deutbar sind.
Ein bedeutender Aspekt seiner Kompositionstätigkeit ist die musikalische Ausdeutung des Wortes. So schreibt er in seinem Aufsatz âVom Geiste der neuen Evangelischen Chormusikâ 1935: âIn der neuen deutschen Chormusik [âŚ] gewinnt das Wort eine neue und hĂśhere Leibhaftigkeit, da wird der Wortgestaltung und -bändigung mit Besessenheit nachgegangen âŚâ
Werkverzeichnis
Vokalmusik
⢠op. 2: Herzlich lieb hab ich dich, o Herr, Motette fßr 2 gemischte ChÜre (1931)
⢠op. 3: Deutsche Choralmesse, fßr 6-stimmigen gemischten Chor (1932)
⢠op. 4: Kleine Adventsmusik, fßr FlÜte, Oboe, Violine, Kammerchor, Orgel und Sprecher (1932)
⢠op. 5: Der Jahrkreis, 52 zwei- und dreistimmige Choral- und Schriftwortmotetten (1933)
⢠op. 6a: Christ, der du bist der helle Tag, kleine geistliche Abendmusik Nr. 1 fßr dreistimmigen Chor, 2 Violinen und B.c. (1933)
⢠op. 6b: 3 kleine Choralmotetten Nr. 2 fßr gemischten Chor (1933) (Es ist das Heil uns kommen her, Komm, Heiliger Geist, Herre Gott, Lobe den Herren).
⢠op. 7: Choralpassion nach den 4 Evangelien der Heiligen Schrift (1933)
⢠op. 8c: Kleine Choralbearbeitungen (1938)
⢠op. 9a: An die Natur, fßr 4-stimmigen Chor, Sopransolo und Streicher Nr. 1 (1933)
⢠op. 9b: Das Lied von der Glocke, fßr Solostimmen, Chor und Orchester (1934)
⢠op. 10 Die Weihnachtsgeschichte, fßr 4-stimmigen gem. Kammerchor und 4 Vorsänger (1933)
⢠op. 11: Wo Gott zu Haus nit gibt sein Gunst, Kantate (1935)
⢠op. 12: Geistliche Chormusik (1934â1941)
⢠op. 13: Liturgische Sätze
⢠op. 16: Neues Chorliederbuch (1936â1938)
⢠op. 17: Geistliche Konzerte fßr hohe Singstimme und Orgel (1938)
⢠op. 19: MÜrike-Chorliederbuch (1939)
⢠op. 20a: Das Volkslied
⢠op. 21: Lied am Herde, Solokantate fßr Bariton und Klavier (1941)
Werke ohne Opuszahl:
⢠Luther-Kantate zur 400-Jahr-Feier der Einfßhrung der Reformation (1931)
⢠Drei Lieder fßr Altstimme und Klavier (1931)
⢠Drei weltliche Chorlieder zu alten Texten in neuer Weise und neuem Satz (1931) I Weià mir ein schÜnes RÜslein fßr drei gemischte Stimmen II Bei meines Buhlen Haupte fßr drei Frauenstimmen
⢠Ewiges Deutschland, Weltliche Singspiel-Kantate fßr Sprecher, Chor und Orchester (1934)
⢠Deutschland und Deutsch-Ăsterreich, einem Stamm entsprossen, fĂźr Männerchor (1934, auf einen Text von Hermann Harder, zuletzt abgedruckt in der Zeitschrift Lied und Volk 1938)cite-ref-37[37]
⢠Kleine Sommerkantate fßr zwei Soprane und Streichquartett (1942)
⢠Ein Lied zum Mitsingen, fßr eine Singstimme und Klavier
⢠Der Mond ist aufgegangen, fßr einstimmigen Frauenchor, Violine, Viola und Oboe
⢠VÜglein Schwermut, fßr Männerchor
⢠Abendlied eines Reisenden, fßr Männerchor
⢠GräĂliche Ballade, fĂźr Männerchor
⢠Einzelne Motetten und Chorlieder:
⢠Ach Herr, ich bin nicht wert
⢠Christ fuhr gen Himme, Choralmotette (1930) OCLC 1258337013
⢠Christum wir sollen loben schon
⢠Der Tag hat sich geneiget
⢠Die Sonne geht von hinnen
⢠Es geht ein dunkle Wolk herein (1932, Digitalisat beim Mßnchener Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothekhttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A00073811~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3DDigitalisat%20beim%20M%C3%BCnchener%20Digitalisierungszentrum%20der%20Bayerischen%20Staatsbibliothek~PUR%3D)
⢠Gott der Vater wohn bei uns
⢠Gott ist unsre Zuversicht (1930) OCLC 1258334163
⢠Heut triumphieret Gottes Sohn
⢠Jesus Christus gestern und heute
⢠Lobt Gott ihr Christen
⢠Macht hoch die Tßr
⢠Nun freut euch, liebe Christen
⢠Nun ruhen alle Wälder
⢠O Heiland, reià die Himmel auf
⢠O Mensch, bewein dein SĂźnde groĂ
⢠Vom Himmel hoch, o Englein kommt
⢠Wacht auf, es tut Euch not
⢠Wie schÜn leuchtet der Morgenstern
Kammermusik
⢠op. 1: Konzertante Sonate fßr 2 Klaviere (1931)
⢠op. 14: Konzert fßr Cembalo und Streichorchester (1936)
⢠op. 15a: Sonate ßber alte deutsche Volkslieder fßr 2 Violinen und Klavier (1938)
⢠op. 15b: Elf kleine Klavierstßcke fßr die Jugend
⢠op. 20b: Musik fßr 4 Streichinstrumente in Zwei Sätzen (1939)
⢠op. 20c: Konzertstßck a-moll, fßr 2 Klaviere (1939)
Werke ohne Opuszahl:
⢠Kleine Sonate in C-Dur fßr Klavier (1927)
⢠Kammermusik fßr FlÜte, Oboe, Violine, Viola, Violoncello und Klavier (1929)
⢠Konzert fĂźr Cembalo und 11 Soloinstrumente (1930â1932)
⢠Konzertstßck fßr Klavier und Orchester (1937)
Orgelwerke
⢠op. 8a: Nun komm der Heiden Heiland, Orgelpartita Nr. 1 (1933)
⢠op. 8b: Wachet auf, ruft uns die Stimme, Orgelpartita Nr. 2 (1935)
⢠op. 18a: 30 Spielstßcke fßr die Kleinorgel oder andere Tasteninstrumente Nr. 1 (1938)
⢠op. 18b: Orgelsonate Nr. 2 (1939)
Theoretisches Werk
⢠Funktionelle Harmonielehre, mit Beiheft: LÜsung sämtlicher Aufgaben. 2 Hefte. Bärenreiter, Kassel [1941]
Nachlass
Das Hugo-Distler-Archiv befindet sich in der Stadtbibliothek von LĂźbeck. Der Nachlass des Komponisten ging im August 2010 als Schenkung der Erben an die Bayerische Staatsbibliothek.cite-ref-38[38]cite-ref-39[39]
Auszeichnungen und Widmungen
⢠In Berlin besteht ein Hugo-Distler-Chor, in Wien bestand ein solcher in den 1980er und 1990er Jahren.
⢠Die Deutsche Bundespost brachte 1992 eine Briefmarke mit seinem Porträt heraus.
⢠Im Jahre 2000 wurde ein Asteroid nach ihm benannt: (11037) Distler.
Literatur
⢠Hugo Distler: Funktionelle Harmonielehre. Bärenreiter, Kassel 1951.
⢠Ursula von Rauchhaupt: Die vokale Kirchenmusik Hugo Distlers. Eine Studie zum Thema âMusik und Gottesdienstâ. Mohn, GĂźtersloh 1963.
⢠Wolfgang Jennrich: Hugo Distler. Union, Berlin 1970.
⢠Ursula Herrmann: Hugo Distler. Rufer und Mahner. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1972.
⢠Hermann Grabner: Hugo Distler. In: Komponisten in Bayern. Band 20. Schneider, Tutzing 1990, ISBN 3-7952-0652-9.
⢠Casper Honders: In der Welt habt ihr Angst. In: Dietrich Schuberth (Hrsg.): Kirchenmusik im Nationalsozialismus. Merseburger, Kassel 1995, ISBN 3-87537-263-8, S. 144â153.
⢠Dirk Lemmermann: Studien zum weltlichen Vokalwerk Hugo Distlers. Analytische, ästhetische und rezeptionsgeschichtliche Untersuchungen unter besonderer Berßcksichtigung des MÜrike-Chorliederbuches. Lang, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-631-30127-8.
⢠Stefan Hahnheide: â⌠eine verrenkte Gliederpuppeâ. Hugo Distlers Schaffen zwischen Parteieintritt und Freitod. In: Hans-Joachim Erbe, Werner Keil (Hrsg.): Beiträge zur Musikwissenschaft und Musikpädagogik (= Hildesheimer Musikwissenschaftliche Arbeiten. Band 4). Georg Olms Verlag, Hildesheim 1997, ISBN 3-487-10482-2.
⢠Stefan Hanheide (Hrsg.): Hugo Distler im Dritten Reich. Rasch, Osnabrßck 1997, ISBN 3-930595-75-3.
⢠Bettina Schlßter: Hugo Distler. Musikwissenschaftliche Untersuchungen in systemtheoretischer Perspektivierung. Elektronische Ressource CD-ROM. Steiner, Stuttgart 2000, ISBN 3-515-07763-4.
⢠Dirk Lemmermann, Michael TĂśpel: Hugo Distler. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 5 (Covell â Dzurov). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2001, ISBN 3-7618-1115-2, Sp. 1094â1103 (Online-Ausgabe, fĂźr Vollzugriff Abonnement erforderlich).
⢠Winfried LĂźdemann: Hugo Distler. Eine musikalische Biographie. WiĂner, Augsburg 2002, ISBN 3-89639-353-7.
⢠Barbara Distler-Harth: Hugo Distler. Lebensweg eines Frßhvollendeten. Schott Music, Mainz 2008, ISBN 978-3-7957-0182-6.
⢠Till Sailer: Hugo Distler in Strausberg. Die letzten Jahre des Komponisten der âWeihnachtgeschichteâ. Texte â Gespräche â Briefe. Trafo, Berlin 2008, ISBN 978-3-89626-787-0.
⢠Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933â1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 1261â1271. online
⢠Dietrich Schuberth (Hrsg.): Kirchenmusik im Nationalsozialismus. Zehn Vorträge.Merseburger, Kassel 1995, ISBN 3-87537-263-8
⢠Hans Prolingheuer: Hugo Distler (1908-1942) â Der Zeitgenosse und seine Legende. Der Kirchenmusiker 5/95, S. 161â176, Merseburger, Kassel 1995 (Nachdruck in: Brunhilde Sonntag (Hrsg.): Die dunkle Last. Musik und Nationalsozialismus. Bela-Verlag, KĂśln 1999, ISBN 3-931430-05-7, S. 364â376)
⢠Helmut Bornefeld: Distler, Hugo. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 3. Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 745 (deutsche-biographie.de).
⢠Friedrich Wilhelm Bautz: Distler, Hugo. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage. Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 1332â1334.
⢠Wolfgang Herbst: Hugo Distler und die Entstehung einer Legende. In: SchĂźtz-Jahrbuch 2009, S. 15â22 (doi:10.13141/sjb.v2009595)
⢠Ăber Distler-AuffĂźhrungen des Dresdner Kreuzchores, in: Matthias Herrmann (Hrsg.): Dresdner Kreuzchor und zeitgenĂśssische Chormusik. Ur- und ErstauffĂźhrungen zwischen Richter und Kreile, Marburg 2017, S. 64â66, 230â233, 301â306, 312, 319, 328 (= Schriften des Dresdner Kreuzchores, Bd. 2). ISBN 978-3-8288-3906-9
Weblinks
Commons
: Hugo Distler
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⢠Werke von und ßber Hugo Distler im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Werke von und ßber Hugo Distler in der Deutschen Digitalen Bibliothek
⢠Bärenreiter-Verlag: Biografie und Werkverzeichnis von Hugo Distler
⢠Gemeinfreie Noten von Hugo Distler in der Choral Public Domain Library â ChoralWiki (englisch)
⢠Noten und Audiodateien von Hugo Distler im International Music Score Library Project
⢠Musikautographen Distlers aus seinem Nachlass in der Bayerischen Staatsbibliothek
⢠Werkverzeichnis bei Klassika â die deutschsprachigen Klassikseiten
⢠Heinrich Kaminski und Hugo Distler - 1886-1946 - Lebenswege, Hugo Distler als Teil der virtuellen Ausstellung der Bayerischen Staatsbibliothek
⢠Der schriftliche Nachlass von Hugo Distler in der Bayerischen Staatsbibliothek
Einzelnachweise
cite-note-11. â Distler-Harth, S. 340 ff.
cite-note-22. â Wolfgang Herbst: Hugo Distler und die Entstehung einer Legende. SchĂźtz-Jahrbuch 31, 2009, S. 15â22.
cite-note-33. â Friedhelm Brusniak: Der Briefwechsel zwischen Konrad Ameln und Hugo Distler in den Jahren 1933 und 1935, S. 177 in: Stefan Hahnheide (Hrsg.), Hugo Distler im Dritten Reich, Universitätsverlag OsnabrĂźck, 1997
cite-note-44. â Brief an Dr. Konrad Ameln vom 20. Dezember 1935, in: Friedhelm Brusniak: Der Briefwechsel zwischen Konrad Ameln und Hugo Distler in den Jahren 1933 und 1935. S. 169, in: Stefan Hanheide (Hrsg.): Hugo Distler im Dritten Reich. OsnabrĂźck 1997.
cite-note-55. â Distler-Harth, S. 189 ff.
cite-note-66. â Reich, Christa: Evangelium: Klingendes Wort, Calwer Verlag 1997, S. 79; Reich-Ranicki, Marcel: Mein Leben, Deutsche Verlags-Anstalt 1999, S. 356 f.; Distler-Harth, S. 161 ff.
cite-note-77. â Lemmermann, Dirk: Hugo Distler: Neues Chorliederbuch, Booklettext zur CD von Hugo Distlers Neuem Chorliederbuch (Carmina Mundi, Aachen, Leitung: Harald Nickoll), S. 1 f.
cite-note-88. â Distler-Harth, S. 317.
cite-note-99. â Distler-Harth, S. 320.
cite-note-1010. â Wolfgang Herbst, Hugo Distler und die Entstehung einer Legende, in: SchĂźtz-Jahrbuch, Jg. 31, 2009 S. 20.
cite-note-1111. â Distler-Harth, S. 330 ff.
cite-note-1212. â Mathias Kissel, Ruhe und Frieden. Hugo Distlers Totentanz als liturgische Musik und Zeugnis der Befindlichkeit, in: TĂ katoptrizĂłmena. Das Magazin fĂźr Kunst, Kultur, Theologie, Ăsthetik, Heft 136, 2022 (Digitalisat)
cite-note-1313. â Wolfgang Herbst, Hugo Distler und die Entstehung einer Legende, in: SchĂźtz-Jahrbuch, Jg. 31, 2009, S. 21.
cite-note-1414. â Berlin, Staatsbibliothek
cite-note-1515. â Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/6401560
cite-note-klee115-1616. â Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 115.
cite-note-1717. â Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933â1945. 2. Auflage. Kiel 2009, S. 2723.
cite-note-1818. â Barbara Distler-Harth: Hugo Distler, Schott Mainz 2008, S. 158 ff.
cite-note-1919. â Erika Kienlin und Hilde Kreutz-Soergel: Erinnerungen an Hugo Distler. In: Zeitschrift fĂźr Hausmusik, Jg. 1958, Heft 2.
cite-note-2020. â Stefan Hanheide (Hrsg.), Hugo Distler im Dritten Reich. Rasch, OsnabrĂźck 1997, ISBN 3-930595-75-3", wo die Postkarte auf Seite 58 abgedruckt ist.
cite-note-2121. â Hugo Distler, Von der Mission der deutschen evangelischen Kirchenmusik und LĂźbecks Verpflichtung als Kirchenmusikstadt im Besonderen, in: LĂźbecker Blätter, Jg. 75, Nr. 26 vom 25. Juni 1933, S. 383 ff. Auszug bei Hauke Osada, Hugo Distler im Spiegel der LĂźbecker Lokalpresse, S. 156; vgl. auch Stefan Hanheide, Hugo Distler im Dritten Reich, OsnabrĂźck 1997.
cite-note-2222. â Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933â1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 1261
cite-note-2323. â Abgedruckt in der Zeitschrift LĂźbeckische Blätter, Nachdruck bei Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933â1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 1264.
cite-note-2424. â Zitat Stefan Hahnheide, in: Beiträge zur Musikwissenschaft und Musikpädagogik, Hildesheimer Musikwissenschaftliche Arbeiten Band 4, Georg Olms Verlag, Hildesheim 1997, S. 103â104.
cite-note-2525. â Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933â1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 1262â1264.
cite-note-2626. â Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933â1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 1265.
cite-note-2727. â Stefan Hahnheide, in: Beiträge zur Musikwissenschaft und Musikpädagogik, Hildesheimer Musikwissenschaftliche Arbeiten Band 4, Georg Olms Verlag, Hildesheim 1997, S. 106 mit Bezug auf einen Brief an Konrad Ameln vom 20. Dezember 1935.
cite-note-2828. â Vollständiges Zitat bei Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933â1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 1266.
cite-note-2929. â Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933â1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 1267.
cite-note-3030. â VĂślkischer Beobachter vom am 5. Mai 1936, Seite 3
cite-note-3131. â Vollständiges Zitat bei Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933â1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 1267, Quelle: Hugo-Distler-Archiv, LĂźbeck.
cite-note-3232. â Vollständiges Zitat bei Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933â1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 1267â1268, Brief an Familie Typke vom 20. September 1939, aufbewahrt im Hugo-Distler-Archiv LĂźbeck.
cite-note-3333. â Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933â1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 1268â1269
cite-note-briefcerf-3434. â Brief an Alfred Kreutz aus Ahlbeck vom 17. August 1942, zitiert bei Barbara Distler-Harth: Hugo Distler, Schott Mainz 2008, S. 220.
cite-note-3535. â Vollständiges Zitat bei Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933â1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 1269.
cite-note-3636. â Bettina SchlĂźter, "Innere Emigration" zum Lebensentwurf Hugo Distlers. S. 42 in: Stefan Hanheide: Hugo Distler im Dritten Reich, OsnabrĂźck 1997. Auf Nachfrage am 7. Dezember 2022 nannte die Autorin die Archivquellen: Personalakten von Hugo Distler im Hugo-Distler-Archiv in LĂźbeck.
cite-note-3737. â Stefan Hahnheide, in: Beiträge zur Musikwissenschaft und Musikpädagogik, Hildesheimer Musikwissenschaftliche Arbeiten Band 4, Olms Verlag, Hildesheim 1997, S. 105.
cite-note-3838. â Information der Bayerischen Staatsbibliothek (Memento vom 22. Dezember 2015 im Internet Archive).